Emilie oder Tod in Manaus, Piper Verlag

Deutsch, Roman

 

In Milton Hatoums erstem Roman werden zwei denkbar unterschiedliche Welten eins: der Orien aus Tausendundeiner Nacht mit seinem elegischen Zauber und das mythische, indianische Amazonien. Die Tradition mündlicher Überlieferung, für beide Kulturen charakteristisch, spiegelt sich wider in dem Kanon verschiedener Erzählerstimmen, die diese Geschichte einer Einwandererfamilie in Brasilien schildern. Es handelt sich daher nicht um eine Chronik, sondern um eine poetische recherche, um die wehmütige Rekonstruktion einer unwiederbringlichen Vergangenheit.

Zentrale Figur is die schöne, streng katholische Emilie, di zu Beginn des Jahrhunderts ihrer Familie aus dem Libanon nach Brasilien folgte. Ihr Ehemann unterhält in der Amazonas-Stadt Manaus ein ansehnliches Geschäft mit orientalischen Stoffen un Fächern.

Zwei Katastrophen überschatten im Lauf der Jahre die Familie und kehren – mit jewils unterschiedlicher Perspektive – in den Berichten ständig wieder: der Selbstmord Emirs, des Bruders von Emilie, der so gut wie möglich vertuscht wurde, den die Schwester jedoch innerlich nie überwindet, und der rätselhafte Tod der taubstummen, unehelichen kleinen Enkelin Soraya Ângela. Damals, als sich die skandalöse Schwangershaft von Emilies einsiger Tochter Samara Délia nicht länger verheimlichen liess, wurde Samara jahrelang in eines der Zimmer des geheimnisumwitterten Hauses verbannt… Sie ist nicht die einzige, die später der Familie und der beklemmenden Provinzialität Manaus’ den Rücken kehrt. Dennoch bleibt die vom Urwald umgebene Stadt immer glücklicher Ort einer ferngerückten Kindheit.

Aus dem brasilianischen Portugiesisch von Karin von Schweder-Schreiner

Die Originalausgabe erschien 1989 unter dem Titel “Relato de um certo oriente”.

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