“Plastik statt Jute”, Frankfurter Allgemeine

Deutsch, Presse

 

18. Oktober 2008 

Über dem Gemäldezyklus, mit dem sich der junge brasilianische Künstler Mundo in London an der Kunsthochschule bewerben möchte, steht “Chronik eines Verfalls – Erinnerungen eines geliebten Sohnes”. Zu sehen ist auf dem ersten Bild ein tropisches Feudalidyll: ein prunkvolles Herrenhaus in Amazonien mit einem Heer von indianischen Arbeitern am Fluss, unter ihnen der Künstler selbst, der das Geschehen zeichnet. Darüber thront der Herrscher und Besitzer dieses Reiches, den Lieblingshund an seiner Seite. Auf den folgenden Bildern aber “veränderten sich die Gestalten und die Landschaften, der Mann und das Tier wurden älter, nahmen seltsame und groteske Formen an, bis sich ihr Bild ganz auflöste” und schließlich auf den letzten beiden Gemälden nur noch melancholische Gegenstände, “zerrissene, zerschnittene und zerlöcherte Fetzen” zu sehen sind.

Diesen Zyklus, Haupt- und zugleich Abschiedswerk seines rebellischen Helden Mundo, präsentiert uns Milton Hatoum ganz am Schluss seines Romans “Asche vom Amazonas”. Obwohl die Bildbeschreibung kaum eine Seite umfasst, enthält sie in Miniatur die rückblickende Essenz des gesamten Romans. Es könnte auch, im Stile einer Art von brasilianischen “Buddenbrooks”, als Untertitel “Chronik eines Verfalls” darüber stehen. Getragen wird die Handlung vom bitteren Aufbäumen des feinsinnigen Mundo gegen seinen patriarchalischen, jähzornigen Vater Jano.

http://www.faz.net/s/Rub79A33397BE834406A5D2BFA87FD13913/Doc~E223E92005A72411AA197C49A4A1489B7~ATpl~Ecommon~Scontent.html

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